Bieretiketten in Eigenkreation

Das handwerklich gebraute Bier, das vorwiegend von interessierten Bierkennern selbst erzeugt wird, erfreut sich steigender Beliebtheit. Die Leidenschaft, ausgefallene und geschmacklich vielseitige Varianten herzustellen, kennt nahezu keine Grenzen. Besondere Biersorten kommen noch mehr zur Geltung, wenn die Gesamtkomposition aus Geschmack und Aussehen stimmt. Selbst das ausgefallenste Gebräu wird vermutlich wenig beachtet, wenn das Design keine Blicke auf sich zieht. Deshalb solltest Du als Craft-Beer-Braumeister genau so viel Liebe in die Verpackung Deines Produkts stecken, wie in das Produkt selbst. Und das beginnt bereits bei der Wahl der richtigen Flasche.

Longneck-, Bügel- oder klassische NRW-Flasche?

Die Anzahl der Behältnisse für das edle Gebräu liegt allein in Deutschland bei etwa 120 verschiedenen Formen – darunter auch Dosen. Wichtig hierbei ist in erster Linie die Farbe der Flasche, da diese maßgeblich den Geschmack des Bieres beeinflussen kann. Hopfenlastige Biere sind sehr lichtempfindlich, weshalb ein (dunkel)brauner Behälter die beste Wahl darstellt. Dieser schirmt ultraviolettes Licht weitgehend ab und verhindert, dass das Bier ungenießbar wird.

Bieretiketten in Eigenkreation gestalten

Befindet sich weniger Hopfen unter den Zutaten, bieten sich grüne oder transparente Flaschen an. Erstere wurden bereits in den 1950er Jahren beliebt und stehen seit jeher für Qualität und guten Geschmack. Klare Behälter ermöglichen dem Konsumenten, Farbe und Trübheit des Bieres zu erkennen. Diese Eigenschaft lässt sich beispielsweise gut ins Etikettendesign integrieren. Dosen aus Aluminium oder Weißblech hingegen bieten nicht nur größere Gestaltungsfläche, sondern konservieren den Inhalt auch besser – sind jedoch in der Herstellung weniger umweltfreundlich.

Die Form einer Bierflasche lässt den Geschmack zwar nahezu unberührt, jedoch bestimmt der optische und haptische Eindruck zum Teil den Trinkgenuss. Der berühmte „Plopp“ beim Öffnen einer Flasche mit Bügelverschluss ist unverkennbar. Die Wahl der Flaschenform liegt demnach in den persönlichen Vorlieben Deiner Zielgruppe. Dabei bietet jeder Typ bestimmte Eigenschaften, Farben und Volumina:

Typ Volumen (Liter) Farbe Eigenschaften
NRW-Flasche 0,5 / 0,33 Braun Modern, mit Bügelverschluss erhältlich
Longneck 0,75 / 0,5 / 0,33 Braun, Grün, Klar, Mattschwarz Klassisch, traditionell
Euro-Flasche 0,5 Braun Traditionell, stabil, schwer
Steinie 1,00 / 0,5 / 0,33 Braun, Klar Kompakt, bauchig, stabil, bruch- und kippsicherer als andere Flaschen
Ale 0,5 / 0,35 / 0,33 / 0,25 Braun Längerer Hals als Longneck
Champ 0,75 Braun Wenig bekannt, meist für Spezialbiere verwendet
Vichy 0,33 / 0,25 Braun In den Benelux-Staaten verbreitet, fließender Übergang zwischen Bauch und Öffnung

Ist die passende Flasche gewählt, kann die eigentliche Gestaltung beginnen. Dabei ist es wichtig, den eigenen Entwurf auf die korrekten Maße des Behälters abzustimmen. Die Maßangaben lassen sich direkt beim jeweiligen Händler abrufen oder, besser, selbst abnehmen.

Welches Design passt zu meinem Bier?

Noch bevor Du Dich der Gestaltung widmest, ist es wichtig, die Zielgruppe klar zu definieren und deren Präferenzen zu kennen. Diese Eigenschaften lassen sich dann weiter auf das Etikett übertragen und durch Farbgebung, Typografie und Bildmaterial an die Öffentlichkeit kommunizieren. Wichtig ist für Dich als Craft-Beer-Brauer, aufzufallen, um erfolgreich zu werden. Gutes Branding sollte daher auch unter einer Vielzahl anderer Produkte die Blicke der potentiellen Kunden auf Deines ziehen.

Farbe

Das Merkmal, das zuerst im Auge des Betrachters ankommt, ist die Farbgebung des Etiketts. Diese kann, entweder an die Flaschenfarbe angelehnt sein, was bei Grün beispielsweise gut funktioniert, oder einen Kontrast dazu bilden. Der Komplementärkontrast wäre hier die Farbe Rot. Braune oder transparente Flaschen bieten einen wesentlich größeren Gestaltungsspielraum. Oftmals wird die Farbgebung direkt der Farbe des Bieres entnommen – mit der Option, damit eine Farbpalette unterschiedlich gesättigter oder deckender Farbtöne zu erstellen. Dem Kunden kommuniziert dies, dass es sich dabei um ein eher traditionelles, bodenständiges Produkt handelt. Moderne Marken gehen genau den umgekehrten Weg, um dadurch Aufmerksamkeit zu erlangen und deren Neuheit zu unterstreichen.

Form und Material

Die Vielfalt reicht von einfachen, rechteckigen Aufklebern, welche sich entweder komplett oder nur partiell (und dafür zweiteilig) um die Flasche erstrecken, bis hin zu komplex ausgestanzten Formen. Letzteres solltest Du mit der Druckerei Deines Vertrauens abklären, da jeder Dienstleister unterschiedliche Vorgaben zur Erstellung von Stanzvorlagen hat. Allen gemein ist, dass diese als Vektorgrafik, beziehungsweise Pfad, erstellt werden müssen.

Manche Designs ermöglichen durch den Einsatz eines zweiten Etiketts, dem Flaschenhalsetikett, ein noch auffälligeres Branding. Ein eigens entworfener Kronkorken gehört ebenfalls dazu und vervollständigt das stimmige Gesamtbild.

Je nach Vorliebe, Budget und Zielgruppe ist die Wahl des richtigen Materials ein wichtiges Kriterium für den Erfolg des Produkts. Es ermöglicht einerseits, sich von Mitbewerbern abzuheben, und andererseits kann es dem Gebräu den letzten edlen Schliff verleihen. Die Palette reicht hier von simplen Nassleimetiketten aus Papier, bei denen der Kleber manuell aufgebracht werden muss, bis hin zu hochwertigen Folien aus PVC, Polypropylen oder Polyethylen. Erstere eignen sich vor allem bei Mehrwegflaschen, welche nach Verwendung wieder blank gereinigt werden. Letztere sind stabiler und überstehen Temperaturschwankungen und Kondenswasser, ohne beschädigt zu werden.

Veredelungsmöglichkeiten

Viele Druckereien bieten diverse Veredelungsverfahren für Etiketten an. Dabei kann zum Beispiel durch Heißfolienprägung eine mit Metallic-Farben (wie zum Beispiel Gold oder Silber) versehene Folie auf das Papier gepresst werden. Dekorative Elemente, wie Rahmen, Ornamente oder Linien sorgen dabei für eine beachtliche optische Aufwertung. Soll diesem Eindruck zusätzlich ein haptisches Element hinzugefügt werden, eignet sich eine Relieflackierung. Dabei wird eine Lackschicht auf die gewünschten Stellen aufgetragen, wodurch das Etikett eine fühlbare Erhebung erhält. Die sogenannte Blindprägung verzichtet gänzlich auf Farbe und gibt Informationen durch bloße Hoch- oder Tiefprägung des Papiers oder der Folie wieder.

Eine weitere Methode, Farben brillanter wiederzugeben und gleichzeitig das Etikett zu schützen stellt die Folienkaschierung dar. Dabei wird der Aufkleber mit einem wahlweise glänzenden oder matten Schutzlaminat behandelt. Die einfachere Variante bietet der UV-Glanzlack, welcher annähernd gleiche Ergebnisse liefert, jedoch kostengünstiger zu realisieren ist.

In wenigen Schritten zum einzigartigen Bieretiketten-Design

Nun kannst Du loslegen und das Grafikprogramm Deiner Wahl, zum Beispiel Adobe Illustrator oder, als freie Alternative Inkscape, starten. Wichtig hierbei ist, dass die Software das Arbeiten mit Vektorgrafiken erlaubt, was vor allem für Stanzformen oder Veredelungen unabdingbar ist.

Als Erstes ist es notwendig, die korrekten Maße der Etiketten zu kennen und ein Dokument in dieser Größe zu erstellen. Je nach Druckdienstleister ist ein Anschnitt (Druckdaten, welche über das eigentliche Format hinausreichen) von 2-4 Millimetern erforderlich. Als Farbraum sollte zwingend CMYK festgelegt werden. Ansonsten konvertiert die Druckerei diese beim Druck und die Farben weichen von der Vorlage ab.

Bevor Du beginnst, dein Craft-Beer-Eyecatcher-Etikett zu gestalten, solltest Du dir noch Gedanken über das Kleingedruckte auf der Flasche machen und etwaige Elemente wie EAN-Code, Inhaltsstoffe, Haltbarkeitsdatum oder Angaben zum Hersteller ins Design mit einbeziehen. Gesetzlich vorgegeben für im Handel erhältliche Getränke sind:

  • Nettoinhalt
  • Alkoholgehalt
  • Zutaten (bei Malz zusätzlich die Art, aufgrund der Allergene)
  • Name und Anschrift des Herstellers
  • Mindesthaltbarkeitsdatum (vollständig mit Tag/Monat/Jahr)

Diese Angaben müssen in der Regel auf dem Rückenetikett oder der Rückseite des Etiketts platziert werden. Eine Nährwertkennzeichnung ist ab einem Alkoholgehalt von über 1,2 Prozent sogar verboten (mit Ausnahme von kalorienarmen Produkten, dort ist die Angabe verpflichtend).

Typografie

Nach festgelegten Etikettenformen ist es an der Zeit, Name und Typ des Gebräus auf das Label zu bringen. Die Schrift sollte weder zu groß, noch zu klein abgebildet werden. Es existieren gesetzliche Vorgaben zur Mindestgröße, aktuell liegt diese bei 1,2 Millimeter, bezogen auf den kleinen Buchstaben x. Typografie lässt Dich mit den potentiellen Käufern oder Konsumenten kommunizieren. Deshalb sollte diese mit besonderer Sorgfalt gewählt werden. Hier erweist sich eine Liste von Stichwörtern, welche Dein Bier beschreiben, als hilfreich und sorgt für originelle Ideen:

Dunkel Hell Stark Ale
Hand Made Pale Lager Craft Beer
Herb Hopfen Malz Naturtrüb
Micro-Brewed Macro-Brewed Fass Trocken

Mit Stichworten, welche Dein Produkt beschreiben, sollte die Namensfindung kein Problem darstellen. Sind die Eigenschaften ins Design integriert, können sie durch passendes Bildmaterial hervorgehoben werden.

Bilder und Gestaltungselemente für Bieretiketten

Craft Beer ist eine junge Form des Bierbrauens. Deshalb zeichnet sich einerseits ein sehr traditioneller Stil mit einfachen, mit Wappen oder einfachen Formen versehenen Aufklebern ab. Andererseits ermöglicht die moderne Braukunst ebenso moderne Entwürfe beim Design. Viele Exemplare warten mit künstlerischen Meisterwerken auf, um dadurch vom Bierliebhaber entdeckt zu werden. Bedenke, dass Du mit dem Entwurf die richtige Zielgruppe ansprechen solltest. Zum Beispiel lässt ein sehr experimentelles Design auf eine außergewöhnliche Geschmacksrichtung schließen. Ein minimalistisches, einfarbiges Etikett vermittelt oftmals Stil und Kultiviertheit.

Bieretiketten selbst gestalten

Für den Fall, dass das Bier mit speziellen Zutaten gebraut oder nur in einer bestimmten Region hergestellt wird, lassen sich auch diese Parameter in den Entwurf miteinbringen – beispielsweise als Hintergrundbild oder Designelement. Solltest du kein passendes Bildmaterial zur Verfügung haben, bieten sich Online-Bildagenturen wie Pixabay oder Depositphotos an. Wichtig ist jedoch, sich über die Bildrechte im Klaren zu sein. Manche Dateien sind entweder nicht kommerziell nutzbar oder auf eine bestimmte Auflage beschränkt. Etiketten können wahlweise auf Rollen oder Bögen gedruckt werden. Für die Hobby-Brauerei, bei der die Flaschen von Hand beklebt werden, ist dies irrelevant. Bei größeren Mengen jedoch lassen sich Rollen-Etiketten maschinell auftragen.

Einfache Möglichkeit zur Aufwertung jedes Craft-Bieres

Die Gestaltung von hochwertigen Aufklebern für Dein Selbstgebrautes ist eine schnelle und einfache Möglichkeit, dein Produkt in der wachsenden Zahl anderer Bier-Kreationen herausstechen zu lassen. Der Kostenaufwand ist relativ gering, verglichen mit dem Effekt, der damit erzielt wird und Deine Flasche zum Eyecatcher werden lässt.

 

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