Andre und Dirk Isendorfer Brauerei

© Isendorfer Brauerei

Familie Dieckmann von der Isendorfer Brauerei

Die Isendorfer Brauerei – das sind Andre, Brau- und Malzmeister, Dirk, Biersommelier, und Silke, Biersommeliere. Diese Hausbrauerei und Gastwirtschaft befindet sich in Emsdetten-Isendorf im Münsterland. Man erfährt dort viel Spannendes über Hopfen, Malz und Hefe sowie über handwerkliche Braukunst. Es werden Brauereiführungen angeboten und Bierseminare durchgeführt, auch richtig
gut essen kann man dort. Das Besondere aber: Es gibt richtig gute, hochinteressante Biere. Wir vom Bier-Entdecken-Team durften ein kleines Interview mit den Herren und der Dame dieser kleinen, aber richtig feinen Brauerei führen.


Hallo Andre, stell dich und deine Geschwister doch bitte unseren Lesern einmal kurz vor.

Ich braue auf unserem Hof in Emsdetten-Isendorf einige unterschiedliche Biere, bin sehr frei in der Gestaltung, weil Hof, Restaurant und Brauerei unserer Familie gehören. Da setze ich mir keine unnötigen Grenzen. Ich bin jetzt 36 und habe letztes Jahr meinen Brau- und Malzmeister bei Doemens in München-Gräfelfing gemacht, bin aber eigentlich Schlossergeselle: Das ist gut, denn ein Brauer, der nicht mehr baut, ist ein Brauer der bald nicht mehr braut. Die Brauerei habe ich aber schon seit fast fünf Jahren. Meine Schwester Silke und mein Bruder Dirk sind beide Biersommeliers und veranstalten Bierseminare und Brauereibesichtigungen, zusammen sind wir ein sich gut ergänzendes Team, um den Gästen Bier und die Genusskultur, die damit zusammenhängen kann, näher zu bringen.

Was fasziniert euch an Bier?

Dirk Dieckmann: Bei handgemachten Bieren? Dass sich in der Herstellung eigentlich nicht viel verändert hat. Technisch schon, aber prinzipiell nicht: Wir machen immer noch aus vier ehrlichen Zutaten unbegrenzte Geschmacks- und Geruchsprofile. Wir wissen heute, was auf mikrobiologischer Basis bei der Gärung passiert und können vieles chemisch-biologisch beschreiben und teilweise sehr gut erklären – bis auf beim Hopfen, der ist noch recht unerforscht – aber wir tun prinzipiell das Gleiche, was schon die Mesopotamier, die Ägypter oder die Kelten getan haben.

Was ist euch beim Bierbrauen am Wichtigsten (auch bzgl. der Zutaten)?

Andre Dieckmann: Zeit haben. Wir brauen auf einer kleinen 5 hl Anlage, die halbautomatisch funktioniert, das heißt, das Timing liegt bei mir: Wenn ich ein Ventil umlege, kann ich am Rohr fühlen, ob die Würze wirklich läuft, weil es dann
sukzessive heiß wird. Man fühlt nach einer Weile auch ziemlich treffsicher die Temperatur mit der Hand, da braucht man die Geräte kaum noch zu befragen. Ich sehe durch die Schaugläser die Maischefarbe beim Abmaischen, die Würzefarbe beim Abläutern, ich rieche bei der Kochung den Hopfen auf dem ganzen Hof, wenn die Aromen sich aus dem Dampf niederschlagen. Ich kann hören, wie die Pumpen arbeiten, wie die erste Heißwürze in den Whirlpool schlägt. Brauen mit allen Sinnen eben. Ich bin ja meist auch ganz alleine in unserer kleinen Brauerei: Tür abschließen, Ruhe im Karton, keiner nervt! (lacht), das ist schön. Ich denke dann viel nach, führe laute Selbstgespräche und bekomme ganz viel mit, was in der Anlage passiert.

Was ist eure Lieblingsbiersorte?

Silke Dieckmann: Das variiert doch, das kann ich so nicht sagen. Es liegt am Anlass, an der Jahreszeit, am jeweiligen Wetter. Ja, sogar an der Verfügbarkeit von passenden Gläsern. Tendenziell sind wir drei uns da recht ähnlich und sind mehr von dunklen Bieren angetan, nicht unbedingt schwarz wie Rohöl, aber durchaus gern ab und an. Hopfenverliebt sind wir auch alle drei. Bittere Ales sind ganz was Feines, leider können viele Menschen heute – verzogen durch Konsummassengüter – nicht mehr gut mit Bittere umgehen. Sehen wir uns doch mal die Konsumgüter an: Süß muss alles sein, bitter wird aus den Regalen getilgt, kommt kaum irgendwo vor. Wobei in der klassischen Küche schon auch bittere Stoffe vorkommen – und sie sind ja auch gut. Ich bin übrigens hauptberuflich Erzieherin im Kindergarten und betrachte diese Entwicklung natürlich zusätzlich auch aus anderer Perspektive. Bittere bereichert uns als Menschen in unserem vielfältigen Geschmacksempfinden – eine Welt ohne brutalbittere Biere, das wäre wie eine Welt ohne…Liebe! Vielleicht nicht ganz so schlimm, aber schon ziemlich hässlich.

Isendorfer Brauerei Biere

© Isendorfer Brauerei

Ihr habt sehr interessante Biere in eurem Sortiment, wie kam es dazu, woher kamen die Ideen und die Inspiration?

Andre Dieckmann: Vielen Dank erst einmal für das Kompliment, denn das ist mir auch wichtig, dass die Biere als interessant empfunden werden und darum höre ich das auch gerne, wenn du das sagst. Der Bernsteinbock, den wir jetzt am Zapfhahn haben, hat 32 Monate in einem spanischen Sherryfass gelegen und der Eiche einige Fruchtaromen entrungen sowie den charakteristischen Barriqueton und die Bernsteinfarbe. Er ist mit einer Whiskyhefe vergoren, das riecht man gut raus. Ein solches Bier kann ich natürlich nicht permanent anbieten, weil das Fass nun einmal ein Fassungsvermögen von 225 Litern hat und die sind bald fort. Ansonsten bieten wir hier gerne eine ständig variierende Vielfalt von Ales, Stouts, verschiedenen Böcken, dunklen Weizenbieren mit viel Hopfen und so weiter an, deren Rezepte wir selbst entwickeln. Wir kennen die Bierzwerge in Greven gut, Spezialbiervirtuosen, die Ihresgleichen suchen, und dort inspirieren wir drei uns oft. Riechen am Bier, ergründen, ob es hopfengestopft ist oder ob der Hopfen im Pool lag, versuchen eine ähnliche Note zu erreichen mit einer Nuance von etwas anderem. Ja, wie das halt so ist, wenn man sich inspiriert. Aber wir suchen eigentlich nicht so richtig nach neuen Sachen, die Ideen sind schneller als der Bedarf an Neuem, wobei wir ja nun auch keine Bierstile in dem Sinne neu erfinden: Uns macht Freude, dass Gäste in unserem Restaurant – mitten in der westfälischen Provinz wohlgemerkt! – ein fruchtiges Red Ale zum knackigen Bauernsalat nehmen oder einen dunklen Weizenbock zum Hirschkalbsbraten. 65-jährige Gäste kommen mittlerweile in unser Restaurant und bestellen ein bitteres Ale als Aperitif und nehmen zum Dessert unser Stout statt einen Espresso. Das ist so schön, dass wir diese Bierkultur hier in einem münsterländischen Dorf ausleben können – und daher stammt auch ein Teil der Motivation.

Wen möchtet ihr mit euren Bierkreationen erreichen?

Dirk Dieckmann: Mit unseren Bieren möchten wir tatsächlich in erster Linie die Menschen hier in der Region erreichen, und zwar auch, um hier eine Bierkultur zu etablieren, die über das hinausgeht, was hier landläufig die letzten Jahrzehnte bezüglich Bier grundfalsch gelaufen ist, nämlich dass die Getränkegattung Bier zu einem „proletarischen Massensüppchen“ deklassiert und auf einfachste Basisgeschmäcker reduziert wurde. Dies in eigener Sache: Wir bauen derzeit eine kleine 0,33 l Flaschenfüllerei und starten mit dem Verkauf von zunächst vier bis fünf Sorten ab Mai auf unserem Hof. Auch damit möchten wir erreichen, dass die Menschen zuhause oder wenn Freunde da sind und man im Garten grillt wenigstens kurze Gespräche über die Wahl des Bieres führen, kurz feststellen, „ja, da hast Du wirklich Recht, ein Hauch Mirabelle ist da, aber die Banane ist stärker.“

Erinnert ihr euch an die erste „bedeutsame“ Begegnung mit Bier?

Andre Dieckmann: Ja nu’, ich bin ne münsterländische Buenblage, da trinkt man ja früh Bier. Aber der Umgang ist natürlich heute ganz anders, als noch mit 14. Es geht uns heute darum, das passende Bier zum Anlass, das richtige Glas zum Bier zu wählen, damit wir das Bier in all seinen wunderbaren Punkten ergründen können, damit wir nichts verpassen. Es ist so, wie wenn ein Baum im Wald umfällt, aber niemand hat es gesehen, ist es dann geschehen? Oder wenn ein Bier im Antrunk eine traumhafte Karamellnote hat, die von dezenten Nusstönen in der Mitte abgelöst wird – und niemand schmeckt es, war das Bier dann lecker? Vielleicht hat jemand den Kronkorken abgerupft und die Pulle an den Hals gesetzt, um sich zügig zu betrinken. Schade, er hat nicht daran gerochen; also ist der Baum auch nicht umgefallen. Oder er ist es doch, aber es hat niemand gesehen.

Beschreibt bitte Bier in 3 Worten.

Dirk Dieckmann: Also Bier muss hergestellt werden: Technik, die ist faszinierend. Bier ist ein gesellschaftliches Gut: Kultur. Es betrifft mich selbst: Sinne.

Zurzeit wird viel diskutiert über eine Definition für „Craft“-Bier in Deutschland. Was bedeutet – in wenigen Worten – für euch der Begriff „Craft“-Bier?

Andre Dieckmann: Ich würde es einfach übersetzen und komme dann bei „Handwerksbier“ raus. Das ist es auch, denke ich. Handgemachte, variationsstarke Biere.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Familie Dieckmann von der Isendorfer Brauerei für das nette Interview und wünschen weiterhin viel Glück und Erfolg!


Isendorfer Brauerei – Biere:

Isendorfer BRAUARTIUM Stout