Interview mit der Kevin Brewery Zwickau

Kevin Brewery
©Claudia Drescher (von li-re: Tino, Eva, Denny, Rico, Stefan)

Kevin Brewery Zwickau

Aufmerksam gemacht wurde ich durch die BierBarbara auf die KEVIN BREWERY aus Zwickau. KEVIN, das ist keine normale Brauerei, das ist eine Hardcore Punk Band aus Zwickau, die nebenbei Bier braut. Das Bier wird nicht nur nebenbei gebraut, sondern richtig gut. Eine Frage an KEVIN, was macht ihr besser – Bier oder Musik? KEVIN, das sind Eva, Rico, Stefan, Tino und Denny. Sie brauen ein Pale Ale, ein IPA, ein richtig geiles Stout, Lager, Session, einfach Alles. Da darf man gespannt sein, was noch kommt von KEVIN – an Bier
und Musik. Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtig, die „kleinen Brauereien“ zu unterstützen. Den KEVINS könnt ihr helfen, indem ihr deren Bier kauft: Entweder ihr fahrt nach Zwickau zum Werksverkauf oder ihr bestellt euch auf deren Homepage das Bierpaket für den Notfall!! So könnt ihr euch 12 Flaschen eurer Lieblingsbiere aussuchen und schreibt eine Mail an die KEVINS
und schon ist der Bier-Notfall fast gelöst. Persönlich wünsche ich mir die KEVINS mal so richtig kennen zu lernen, ich bewerbe mich als KEVIN Nummer 6. Ich kann laut schreien, das ist wichtig für die Musik, ich kann Bier brauen und ich kann auch Bier trinken. Ich hoffe, ich darf einmal gemeinsam mit den KEVINS ein oder auch zwei Biere
trinken. Eine coole Band, coole Menschen, schön euch kennen gelernt zu haben.

Natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt und mit den Braumeistern ein kleines Interview geführt:


Interview mit dem Team der Kevin Brewery

Hallo, stellt Euch doch bitte unseren Lesern einmal kurz vor.

Denny: 40 Jahre, wohnhaft in Schneeberg, verheiratet, 3 Kinder – Job als Vertriebsleiter. Einer von 5 Kevin’s. Die Brauleidenschaft kam ca. 2015 zufällig, durch einen Raum zu viel in unserem Proberaum – der Band Kevin – und das Interesse an Craft-Bier durch meinen Freund Rico. Die Leidenschaft, etwas in der Stadt, wo ich lebe oder aufgewachsen bin, zu machen und mit zu gestalten ist für mich selbstverständlich – nur so funktioniert in meinen Augen ein buntes, vielfältiges und demokratisches
Miteinander.
Rico: 40 Jahre, hat zusammen mit Denny 2015 Kevin Brewery gegründet, im wahren Leben techn. Sachbearbeiter beim lokalen Autobauer. 1/5 der Kevins. Mein Antrieb ist die komplette Vielfalt des Bieres zu erleben, da gehört auch das Selbstbrauen für mich dazu. Weiterhin schaffen wir mit unserer Brauerei & Taproom einen kulturellen Ort, der in Zwickau seinesgleichen sucht!
Eva: Die Jüngste im Team. Ich bin freiberuflich als Bühnen- und Kostümdesignerin deutschlandweit tätig. Rico und ich, im Übrigen seit letztem Jahr verheiratet, haben auf unseren Reisen durch Amerika das Craft Beer für uns entdeckt. Zu dem damaligen Zeitpunkt war Craft Beer noch nicht in Zwickau angekommen, aber darauf verzichten wollten wir auch nicht. Somit sind wir fast wie die Jungfrau zum Kind gekommen und die anderen konnten wir ebenso schnell davon begeistern. Und Punkrock & Bier passt natürlich richtig gut zusammen!
Tino: 36 Jahre jung, Glatze-Vollbart-Brille, Erzieher und zweifacher Papa, durch ein Wiederzusammenfinden der Band Kevin kam die Idee von Rico, Bier zu brauen. Nicht nur ein Bier, sondern ein Craftbeer sollte es sein. Ich kann mich noch an mein erstes IPA erinnern und es kam Spülwasser nah. Doch mit der Zeit und der Entwicklung, eigenes Bier zu brauen, verschwand der anfangs neue und ungewohnte Spülwassergeschmack zu einem vollmundigen, blumigen, leicht süßen und bitteren Geschmackserlebnis, was kein Pils vermitteln kann.
Stefan: 37Jahre aus Zwickau, eigentlich Veranstaltungskaufmann, aber seit Anfang 2018 Festangestellter unserer kleinen Brauerei. Das Interesse für Craft Beer wurde durch Rico & Eva
geweckt. Ich begleite die Kevin Brewery seit den ersten Gehversuchen und fand von Anfang an interessant, wie aus ein paar einzelnen Produkten ein leckeres Bier entsteht.

Was fasziniert Euch an Bier?

Denny: Bier brauen ist hunderte Jahre alt, in Europa gibt es über 10.000 Brauereien. Es ist ein grobes Handwerk mit irre viel Nuancen und Schattierungen. Es ist erstmal relativ leicht zu erlernen, aber irre schwer professionell und kontinuierlich auf einem sauberen Niveau zu brauen. Auch wenn der pro Kopf Umsatz pro Jahr sinkt – Bier bringt Menschen einfach und unkompliziert zusammen und das ist eben gerade heutzutage in der Facebook-Gesellschaft enorm wichtig.
Rico: Natürlich das Bier mit seinen Zutaten an sich! Aber für mich ist auch die junge Bierbrauer Szene in Deutschland interessant (Craft-Beer). Da gibt es viele Parallelen zur DIY-Punkrock-Scene.
Eva: Die Vielfältigkeit und Möglichkeiten, die mir erst vor einigen Jahren so richtig bewusst geworden sind, was auch mit der Brauereigründung einherging. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich persönlich überhaupt erst richtig damit auseinandergesetzt. Und es ist immer wieder interessant, wie stark durch minimale Abweichungen -aufgrund der ganzen chemischen Prozesse- das Ergebnis beeinflusst werden kann.
Tino: Faszinierend an Bier finde ich, dass aus nur 4 Zutaten wie Malz, Hopfen, Wasser und Hefe ein Bier entsteht. Noch faszinierender finde ich, dass man durch unterschiedlichsten Hopfen
(Aromahopfen) einzigartige Biere brauen kann, um auch den Nicht-Bier-Trinker abzuholen sowie dem Bierliebhaber mehr Möglichkeiten zu geben.

Was ist Euch beim Bierbrauen am Wichtigsten (auch bzgl. der Zutaten)?

Denny: Für mich das Gesellige an dem Handwerk – mal grob und mal filigran. Der Geruch des frischen Gerstensaftes. Zutaten; richtig echte Zutaten und keine Bierkonzentrate oder Färbemittel, die aus einem Hellen ein Dunkles machen – welche, die mit der Hand oder der Kelle hinzukommen, und nicht durch Reagenzgläser oder Schläuche.
Rico: Dass am Ende immer ein großartiges Produkt entsteht. Am liebsten würde ich nur regionale Produkte verwenden, aber das ist gerade beim Hopfen noch schwierig. Jedoch bin ich mir sicher, dass sich noch einiges in Deutschland tun wird. Ansonsten spielt der Spaß die größte Rolle und falls mir mal Wein besser als Bier schmeckt, höre ich auf!
Eva: Dass Optik, Geruch und Geschmack eine harmonische Einheit bilden, finde ich wichtig. Ebenso die Auswahl der Hopfen spielen eine große Rolle. Zu unseren Anfängen haben wir noch viel
gemeinsam gebraut, das war meistens fast wie ein Event und hat richtig Spaß gemacht. Manchmal vermisse ich die Zeit! Jetzt übernimmt das Brauen hauptsächlich Stefan und hat sich als Einziger von uns dazu entschlossen, auch hauptberuflich dafür einzustehen und ist somit ein wichtiger Teil der Brauerei. Aufgrund der Vergrößerung bzw. Erweiterung mit Taproom sind wir mittlerweile mit vielen neuen und weitaus mehr Aufgaben konfrontiert, was immer wieder spannend und ebenso immer wieder eine große Herausforderung für uns alle ist.
Tino: Jeder Arbeitsschritt muss sitzen, vom Rezept schreiben über genaues Abwiegen der Zutaten, über ständiges Messen, richtige Hitze und Zeiteinhaltung, Sauberkeit und Hygiene und das Hören richtiger Musik im Arbeitsprozess.
Stefan: Das Wichtigste am Bierbrauen ist für mich, dass aus guten Produkten ein gutes Bier entsteht. Noch wichtiger finde ich, etwas in der Gemeinschaft und mit Freunden zu machen, mit viel Arbeit ein gutes Bier zu produzieren, welches am Ende dem Kunden ein Lächeln ins Gesicht zaubert, macht wirklich Spaß.

Was ist Eure Lieblingsbiersorte?

Denny: Milk Stout
Rico: Pale Ales & IPAs in jeglicher Richtung
Eva: IPA und Milk Stout. Was ich auch sehr gern mag ist das Elvis Juice von Brew Dog.
Tino: Leichte Ales
Stefan: Session Pale Ale & Lager

Ihr braut ja mehrere verschiedene Sorten Biere. Können wir noch andere Bierspezialitäten von
Euch erwarten, wenn ja, was und woher kamen die Ideen und die Inspiration?

Rico: Wir sind ständig am Überlegen, was wir Neues versuchen können, das aber auch zu uns passt. Ein Weizen ist es sicherlich nicht! Bei unserem Kevin Fever „Pale Ale“ ist jeder Sud anders d.h. hier versuchen wir uns immer an neuen Malzmischungen, Hopfen oder Hefen. Derzeit gibt es 3 neue Biere, die erstmal bei uns im Taproom als Prototypen gezapft werden, die evtl. im Frühjahr auf den Markt kommen. Ein interessantes Projekt ist eine Zusammenarbeit mit „Altenburger Safran“, da wird viel experimentiert und am Ende wird etwas Besonderes herauskommen.
Eva: Mir liegt aktuell ein Bier mit weniger Alkohol am Herzen. Da ich gern auch alkoholfreie Biere konsumiere, ist das erst mal ein guter Anfang, um sich heranzutasten. In der Regel sind ja obergärige, alkoholfreie Biere recht tricky. Dazu denke ich, dass alkoholfreie Biere stark im Kommen sind und eine gute Alternative sein können.
Tino: Ideen, Rezepte und Know How kommen von Rico. Mir persönlich würde ein Alkoholfreies oder Leichtbier gefallen.

Wen möchtet ihr mit Euren Bieren erreichen

Rico: Schwierige Frage! Wir brauen in erster Linie tatsächlich Biere für uns. Wenn wir damit auch andere erreichen, bin ich schon zufrieden.
Eva: Idealerweise wäre das ein vielfältiges Klientel, Leute, die Bier mit Genuss trinken sowie einen bestimmten Anspruch an Bier haben und ähnlich wie wir ticken.
Tino: Leute die nach neuen Reizen und Geschmäcker suchen, die auf Handwerk und selbstgemachte Biere stehen. Da spielt das Alter ab 18 Jahren nach oben keine Rolle.
Stefan: Weltoffene Leute jeden Alters, die Interesse an einem guten Bier haben.

Erinnert Ihr euch an die erste „bedeutsame“ Begegnung mit Bier?

Denny: Ohhh ja, 60. Geburtstag meiner Oma – ich war 14 und hab den mehr oder weniger verpasst, weil ich am Abend zuvor mit meinem Vater auf einem Anglerfest war. Oma war ziemlich sauer – immerhin sind wir 400 km gefahren, um sie zu besuchen. Aber ihr Enkel (ich) hing nur über der Toilette.
Rico: Silvester 1994, mein erstes Bier. Albuquerque-New Mexico 2012, mein erstes IPA.
Eva: Zum ersten Mal habe ich in meiner Jugend bei meinem Opa am Glas genippt. Spätestens in meiner Studienzeit hat`s dann gut geschmeckt, da es meistens sehr viel Bier für wenig Geld gab. Aber mein erstes bedeutsames, richtiges Bier gab es tatsächlich erst in Albuquerque – New Mexico 2012, in Form eines IPA`s.
Tino: Mit ca. 10 Jahren beim Opa am Bier genippt… hätte kotzen können.
Stefan: Da gab es zu viele.

Zurzeit wird viel diskutiert über eine Definition für „Craft“-Bier. Was bedeutet – in wenigen
Worten – für Euch der Begriff „Craft“-Bier?

Denny: Handwerk | unfiltriert | keine Zwänge & offen für Neues
Rico: DIY | Experimentierfreude
Eva: Handwerklich gut gemachte Biere, mit viel Hopfen und besonderen Rezepturen. In der Regel assoziiere ich persönlich mehr die obergärigen Biere damit.
Stefan: Experimentieren / viel Geschmack / ungewöhnliche Zutaten

Beschreibt Bitte Bier in 3 Worten.

Denny: Bringt Menschen zusammen!
Rico: Schmeckt meistens gut!
Tino: natürlich, gesellschaftlich, Durstlöscher
Stefan: Geschmack, Freunde, Kultur

Ist Euer Bier besser oder die Musik? Ich denke auf jeden Fall Geschmacksache.

Denny: Als wir 25 waren, war es sicher die Musik – obwohl wir da nie wirklich Erfolge gefeiert haben. Heute ist es unser Bier; ich glaube unsere heutigen Fans sind auch froh, dass sie früh nicht mehr mit Tinnitus aufwachen mussten, sondern nur noch mit kleinen Augen, wenn es abends in der Kneipe mal länger ging.
Tino: Leider ist unser letzter Auftritt bzw. Proberaumsession schon ein Stück her. Daher ist aktuell das Bier besser. Mal sehen was die Zukunft bringt!
Eva: Die Musik war mindestens genauso gut wie die meisten Industriebiersaucen, aber die Ausstrahlung von KEVIN (früher auch EAT MY HORST) war wie die besten „Craft“ Biere der Welt.
Und jetzt brauen wir selbst einige gute Biere. Ich selbst war mit Stefan auf der Seite des Publikums und wir hoffen sehr, dass es zu einem unserer Brauerei-Jubiläen nochmal zu einem Comeback
kommen wird.
Tino: Mit Bier lässt es sich leichter spielen und für Zuschauer ist es besser ertragen.
Stefan: Den Worten von Eva ist nichts hinzuzufügen!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei KEVIN BREWRY UND PUNK BAND für das nette Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.

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