Thomas Kunst, Ratsherrn Brauerei

Thomas Kunst, Leitender Braumeister der Ratsherrn Brauerei
© Hoch Zwei Fotoagentur, Thomas Kunst

Leitender Braumeister der Ratsherrn Brauerei

Seit März 2012 hat die Ratsherrn Brauerei ein ganz neues „Bier-Konzpt“ für sich entdeckt, mit dem sie sich von sonstigen Mainstreambieren abhebt. Nach dem Motto „Just Craft. Real Taste.“ legt die Brauerei ihr Augenmerk auf die Produktion von sogenannten „Craft-Bieren“. Momentan befinden sich Pils, Rotbier und ein Pale Ale in ihrem Sortiment. Doch der Braumeister und seine Gehilfen freuen sich schon darauf neue Bierkompositionen zu kreieren und diese umzusetzen. Wir von bier-entdecken.de haben dem Braumeister der Ratsherren Brauerei für euch interviewt und interessante Antworten erhalten.


 

1. Hallo Herr Kunst, stellen Sie sich doch bitte einmal kurz unseren Lesern vor.

Hallo, mein Name ist Thomas Kunst. Ich bin 1965 in Bremen geboren und zweifacher Familienvater. Seit 2010 bin ich verantwortlich für die Rezeptur und den Geschmack der Ratsherrn Craft Beer-Sorten.

2. Seit wann sind Sie Braumeister und wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?

Ich habe von 1985 bis 1987 bei Beck & Co. die Ausbildung zum Brauer & Mälzer absolviert. Nach meinem Studium zum Diplom-Braumeister an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin im Jahre 1993 avancierte ich in einer Bremer Großbrauerei zum Vertreter des Ersten Braumeisters. Danach war ich zuständig für die Qualitätssicherung der deutschen Anheuser-Busch InBev Standorte.

3. Was fasziniert Sie an Bier und Ihrem Beruf?

Mich fasziniert an Bier besonders, dass es ein Naturprodukt ist, welches letztendlich nur durch physikalische Größen beeinflussbar ist und dass sich aufgrund der zahllosen Variationen in den Rohstoffen unheimlich viele Möglichkeiten bieten, verschiedene Geschmacksrichtungen zu kreieren.

4. Was ist Ihnen beim Brauen am wichtigsten?

Beim Brauen ist mir am wichtigsten, alles zu tun, damit sich unser Bier „wohlfühlt“. Nur so können sich Geschmack und Aroma in dem Sinne entwickeln, wie ich es gerne möchte.

5. Was ist Ihre Lieblingsbiersorte?

Ich habe keine Lieblingssorte. Ich trinke verschiedene Biersorten sehr gerne. Bei meiner Bierauswahl entscheide ich mich je nach Stimmung oder suche das Bier passend zur Jahres- und Tageszeit oder aber auch zur Speisenfolge aus. Im Winter trinke ich z. B. gerne mal abends vor dem Kamin ein dunkles Bockbier, ein Imperial Stout oder Barley Wine. Im Sommer bevorzuge ich natürlich ein leckeres Weizenbier, oder, wenn ich es international betrachte, ein belgisches Witbier. Und unser Pilsener passt natürlich zu jeder Gelegenheit!

6. Wie wurde bei Ihnen der Tag des Bieres am 23. April gefeiert?

Wir feiern unser Bier täglich – hierfür brauchen wir keinen besonderen Anlass.

7. Erinnern Sie sich an Ihre erste „bedeutsame“ Begegnung mit Bier?

Weit bevor ich mich für die Lehrstelle zum Brauer und Mälzer beworben hatte, durfte ich eine Brauerei besichtigen. Als wir den Gärkeller betreten haben, kam mir ein wunderbares Aroma entgegen, das ich nie vergessen habe. Wenn ich auch heute längere Zeit nicht in der Brauerei war, weil ich z. B. Urlaub hatte, gehe ich immer als erstes in den Gärkeller und denke: „Jetzt bist du wieder zu Hause!“

8. Wie sehen Sie die Zukunft beim Pro-Kopf-Verbrauch?

Aufgrund der demografischen Entwicklung sehe ich keine Möglichkeit, den Pro-Kopf-Verbrauch wieder auf das Niveau der 1980er bzw. 1990er Jahre zu bringen und ich befürchte, dass der Verbrauch weiter sinken wird, sollte die Bierlandschaft in ihrer jetzigen Situation verharren.

9. Wo sehen Sie eine Chance, einem sinkenden Bierabsatz entgegen zu wirken?

Es wird uns nicht helfen, wenn Premium-Biere in den Discountern unter ihrem Wert zu Dumpingpreisen verkauft werden. Dieser Preisverfall wird dem sinkenden Bierabsatz nicht entgegenwirken. Ich bin der Meinung, dass wir die Wertigkeit unseres Produktes wieder ins Bewusstsein der Verbraucher rücken müssen und die Möglichkeiten sowie die Vielfalt von Bier aufzeigen sollten.
Ich bin sicher, dass die Craft Beer Bewegung, die sich bei unseren europäischen Nachbarn und weltweit stark entwickelt, auch in Deutschland Fuß fassen und uns bei diesem Ziel ein großes Stück weiterbringen wird. Craft heißt übersetzt Handwerk und bedeutet für mich als Brauer, als Handwerker, mich nicht mit dem Einheitsgeschmack der Mainstream-Biere zufrieden zu geben. Craft Beer ist mehr: Intensive Geschmacksvielfalt und mehr Lust an einzigartigen charaktervollen Sorten. Hinter Craft Beer stecken experimentierfreudige, engagierte und kreative Köpfe – Braumeister, die historische Biersorten neu interpretieren und mit besonderen Zutaten und Rezepturen eigene Marken einführen. Meiner Meinung nach bietet Craft Beer die Möglichkeit, sich über die neue Definition der Produkte wieder am Markt zu etablieren und auch den „großen Brauern“ würde es guttun, wenn die Wertigkeit des Bieres mehr in den Fokus rücken würde.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Thomas Kunst von der Ratsherrn Brauerei, für die ausführlichen und sehr interessanten Antworten auf unsere Fragen. Und wünschen weiterhin viel Erfolg.

Link zur Brauerei.

Titelfoto: © Hoch Zwei Fotoagentur

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