Was du als Bier-Fan über Hopfen wissen solltest

Bier und Hopfen, das gehört zusammen wie Strand und Meer, wie Topf und Deckel. Bier ohne Hopfen? Unvorstellbar! Durch den Hopfen wurde Bier erst zu einem gesundheitlich unbedenklichen Lebens- und Genussmittel. So schmiss man im frühen Mittelalter doch häufig giftige Kräuter in den Sud. Außerdem war der Einsatz von unterschiedlichen Hopfenmengen beim Brauen die Geburtsstunde einiger besonderer Bierstile. Und last but not least ist Hopfen der „Aromageber“ für Bier schlechthin.  

Hopfen – Die Seele des Bieres

Wusstest du dass Deutschland bis 2016 Weltmarktführer beim Hopfenanbau mit 18.598 ha war? Erst 2016 hat uns die USA, welche massiv ihre Anbauflächen – derzeit 20.582 ha – erweitert haben, überholt.

Die Aufstockung der Hopfenanbauflächen in den USA ist der wachsenden Zahl an Craftbrauern geschuldet. Diese Craftbrauer machen in den USA zwar nur einen Marktanteil von 8 % gemessen an der gesamten Bierherstellung aus, sie verbrauchen jedoch über 50 % des heimisch angebauten Hopfens. Das liegt daran, dass bei der Herstellung von Craft Bier, teilweise 10-mal so viel Hopfen wie für ein „Standardbier“ verwendet wird.

Aber auch weltweit betrachtet wachsen die Anzahl der Hopfenanbauflächen und das obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch stetig sinkt.

Dies ist der – glücklicherweise – hohen Nachfrage nach besonderen Bieren und den wachsenden, neuen Baustätten geschuldet.

Interesse Craft Bier

Für diesen steilen Anstieg, was das Interesse an besonderen Bieren, insbesondere sogenannten Craft Bieren angeht, gibt es unterschiedliche Gründe. Einer der wichtigsten Gründe ist definitiv die abwechslungsreichen Aromen die uns Craft Bier bietet. Und diese Vielzahl von Aromen die in einem Bier stecken können, verdanken wir besonders einer Zutat: Dem Hopfen.

Was ist Hopfen überhaupt?

Der Hopfen  (lateinisch Humulus lupulus) ist ein naher Verwandter der Hanfpflanze. Ausgewachsen hat die Hopfenpflanze eine Wuchshöhe von bis zu 12 Meter. Anfang März beginnt die Pflanze zu wachsen und wird Ende September geerntet.

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Ende Juni fängt der Hopfen an zu blühen. Nach 3-4 Wochen entwickelt sich aus der Blüte eine Hopfendolde. Die Hopfendolde – quasi die Frucht – ist der Bestandteil der Pflanze die zur Hopfenproduktion benötigt wird. Sie sieht aus wie ein kleiner Tannenzapfen und besteht aus vielen kleinen Deckblättern, diese schützen das Lupulin, was sich in Form von Lupulindrüsen am Ende der Deckblätter befindet. In diesem Lupulin befinden sich die Alphasäuren und die ätherischen Öle, die ausschlaggebend für die Aromen des Hopfens sind. Sicher kennst du die besonderen Eigenschaften einiger Pflanzen wie zum Beispiel Minze oder Salbei. Wenn du die feinen Blätter zwischen deinen Fingern zerreibst, entstehen hoch intensive Aromen.

Es sind vor allem die ätherischen Öle, denen der Hopfen je nach Hopfensorte seine unterschiedlichen Aromen verdankt. Bekannt sind mittlerweile über 100 Molekül- Verbindungen im Hopfenöl, die unterschiedliche Aromen mitbringen. 4 Moleküle sind jedoch immer in den unterschiedlichen Hopfensorten enthalten:

4 Moleküle Hopfen

Linalool: Linalool bildet den Hauptbestandteil jedes Hopfens. Dieses Molekül sorgt für die hopfenblumigen und fruchtigen Aromen des Hopfens.

Myrcen: Myrcen kommt im Hopfen häufiger vor als der Hauptbestandteil Linalool und sorgt für krautige-metallische Aromen. Mycren ist jedoch beim Brauvorgang nur schwer löslich, weshalb die Molekülverbindung nur geringe Auswirkungen auf das Aroma im Bier hat.

Limonen: Diese Molekül-Verbindung sogt insbesondere für die frischen, zitrusartigen Aromen im Bier. Je nach Hopfensorte kann dieses Molekül so ausgeprägt sein, dass es auch Aromen von Orangen und Tropenfrüchten beisteuert.

Pinen: Pinen sorgt für einen würziges Aroma, dass an Harz, Tannennadeln und teilweise auch an eine medizinische Schärfe erinnert.

Wo befinden sich die Anbaugebiete von Hopfen in Deutschland?

Der Anbau von Hopfen findet auf einer relativ kleinen Fläche, gemessen an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland, statt. Nur 0,17 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche ist mit Hopfen bebaut. Diese geringen Anbauflächen ermöglichen jedoch eine lückenlose Ermittlung und Erfassung der Qualität.

In Deutschland gibt es sechs größere Hopfenanbaugebiete, die insgesamt auf 18.598 ha produzieren. 

Die vier größten Anbaugebiete sind:

  • Hallertau
  • Elbe-Saale
  • Tettnang
  • Spalt

Welche Hopfensorten werden in Deutschland angebaut?

Weltweit existieren mehrere hundert Hopfensorten, von denen allerdings nicht alle aktuell eine wirtschaftliche Bedeutung haben. 70 % der auf deutschen Hopfenflächen angebauten Sorten sind Züchtungen aus dem Hopfenforschungszentrum Hüll. 2016 waren in Deutschland 32 Hopfensorten in Verwendung – Tendenz steigend.

Bittersorten

  • Northern Brewer
  • Nugget
  • Wye Target
  • Hallertauer Magnum
  • Hallertauer Taurus
  • Hallertauer Merkur
  • Herkules

Aromasorten

  • Hallertauer Mittelfrüher
  • Hersbrucker Spät
  • Spalter
  • Tettnanger
  • Hallertauer Tradition
  • Perle
  • Spalter Select
  • Saphir
  • Opal
  • Smaragd
  • Mandarina Bavaria
  • Hallertau Blanc

Aromahopfen gehören zu den qualitativ hochwertigsten und teuersten Hopfensorten, denn sie enthalten ein deutlich ausgeprägteres Spektrum an Aromen, als dies bei den üblicherweise eingesetzten Bitterhopfen der Fall ist. Beim Brauprozess entfalten Aromahopfen eine außergewöhnliche Aromenintensität, die dem Bier noch mehr „Körper“ verleiht. Er macht es würziger, aromatischer und charaktervoller. Aromahopfen besitzen jedoch einen geringeren Ertrag an Bitterstoffen, die beim Brauprozess ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Man braucht daher eine deutlich größere Menge.

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Neue Hopfensorten

In Tettnang und der Hallertau werden seit 2013 sogenannte Special Flavor Hops angebaut, das sind seit 2006 gezüchtete Aroma-Hopfensorten mit natürlichen fruchtigen Geschmacksrichtungen wie beispielsweise

  • Mandarina Bavaria
  • Hüll Melon
  • Polaris
  • Hallertau Blanc

Noch mehr Wissenswertes zu den unterschiedlichen Hopfensorten erfährst du in unserem Hopfen-Lexikon.

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