CREW AleWerkstatt

CREW AleWerkstatt
© CREW AleWerkstatt

Timm & Mario von CREW Ale Werksatt

„Den Job an den Nagel gehängt, um sich mit dem eigenen Bier einen Traum zu erfüllen“.  Dies klingt schon fast filmreif oder gar erfunden – ist es aber nicht. Die Rede ist von Timm und Mario die sich mit der Gründung der „CREW AleWerkstatt“ einen Traum erfüllt haben und ganz nebenbei mit einem für Deutschland eher untypischen Bier die Bierszene bereichern.

Um euch die beiden und ihr „Projekt“ näher vorzustellen, haben wir ihnen ein paar Fragen gestellt.


Hallo Timm, Hallo Mario, stellt euch doch bitte einmal unseren Lesern vor.

Hallo Manuel, zunächst einmal vielen Dank für die Möglichkeit Dir unsere etwas verrückte Bieridee vorstellen zu können.
Vielleicht vorab, wir haben beide keinerlei Brauerhintergrund – sind also quasi zum Bier wie die Jungfrau zum Kind gekommen; absolute Quereinsteiger, wenn Du es so willst… Mario ist Tiroler aus dem Stubaital, Timm gebürtiger Rheinländer. Für den ersten Job hat es uns dann beide nach München verschlagen. Dort haben wir uns vor gut vier Jahren kennengelernt – quasi in unserem früheren Leben, bevor wir in die Brauwelt eingestiegen sind.

Auf eurer Homepage ließt man, dass ihr schon immer ein eigenes Bier wolltet, wie kam es zu diesem Wunsch?

Ja, wir träumen bereits seit ein paar Jahren davon – allerdings war es wohl damals eher eine fixe Idee. In unserem Job sind wir sehr viel im Ausland unterwegs gewesen. Wir haben in Ländern, in denen es die meisten Deutschen am wenigsten erwarten, Biere und Biersorten kennengelernt, die nicht in unser Weltbild gepasst haben, aber uns wahnsinnig gut geschmeckt haben. USA und Australien waren für uns die Schlüsselerlebnisse – als Gegenbewegung zu den wirklich schrecklichen Massenbieren dort, haben sich die sogenannten Craft Breweries entwickelt, die mit „alternativen“ Bierstilen experimentiert haben und den Massenproduktionen handwerkliche Braukunst entgegensetzen wollten. Insbesondere hopfengestopfte Pale Ales, IPAs und Imperial Stouts haben es uns angetan.

So war der Wunsch da, in Deutschland auch solche Biere zu trinken. Aber Fehlanzeige – bis auf einige Importbiere. Und die hatten meist aufgrund der langen Reise und falschen Lagerung nicht mehr wirklich viel mit den ursprünglichen Bieren zu tun…

CREW AleWerkstatt
© CREW AleWerkstatt

So fingen wir an, uns mit dem Bierbrauen zu beschäftigen. Und natürlich mit der Herstellung der in Deutschland weitgehend unbekannten Bierstile. Schließlich kam dann unser Traum mit unserem Entschluss zusammen, dafür unsere bisherigen Jobs an den Nagel zu hängen. Ein Wagnis, das wir bis jetzt in keiner Sekunde bereut haben, auch wenn wir dafür etliche Steine aus dem Weg räumen mussten.

Euer erstes eigenes Bier ist nun ein leckeres Pale Ale geworden, wie und warum kam es zu diesem 1. Rezept?

Wie gesagt, unser Ziel war es nicht das 5000ste Pils oder 3000ste Helle zu brauen. Wir wollten ein wirklich „neues“ Bier. Mehr Geschmack, mehr Vielfalt. Jeder der Rohstoffe Hopfen, Malz, Hefe und Wasser bietet eine schier unendliche Vielfalt – dazu noch die unterschiedlichen Brauverfahren. Wo ist die Kreativität in Deutschland geblieben? Es gibt zigtausend Brauereien in Deutschland und eine Hand voll Biersorten… Das ist natürlich etwas übertrieben, stimmt aber im Kern.

Es gibt leider nicht allzu viele deutsche Biertrinker, die überhaupt schon einmal etwas jenseits von Ihrem Pils, Hellen oder Weissbier probiert haben. Mit unserer CREW AleWerkstatt wollen wir damit brechen.

Unser erstes Bier, das CREW Pale Ale, ist selbstverständlich hopfengestopft – allerdings deutlich schlanker und trockener als ein klassisches Pale Ale. Wir wollten keine Kopie, vielleicht ist es sogar einen eigenständigen Bierstil: Ein German Pale Ale sozusagen. So kann man nicht nur ein, zwei davon trinken, sondern sich den ganzen Abend damit vergnügen! Der perfekte Einstieg in eine neue Bierszene in Deutschland.

Die nächsten Kreationen sind übrigens schon in Angriff genommen. Gerade experimentieren wir mit unserem IPA.

Weiter steht auf eurer Homepage, dass ihr euren eigentlichen Beruf an den Nagel gehängt habt, um euren Traum zu verwirklichen. Darf man fragen, was ihr zuvor gearbeitet habt?

Ja klar. Wir haben beide BWL studiert und haben dann als Unternehmensberater angefangen – klassisch, wie man es sich so vorstellt. Und mit vielen der Vorurteile behaftet, die diesem Beruf so anhängen. Wir waren ständig unterwegs, nie zuhause. Glücklicherweise haben wir in derselben Firma gearbeitet, sonst hätten wir uns wohl nicht getroffen…

Auch wenn wir jetzt wahrscheinlich nicht weniger arbeiten als vorher, so können wir uns dafür voll mit dem identifizieren, was wir machen. Es macht uns einfach wahnsinnig viel Spaß. Und es ist natürlich eine Riesen-Herausforderung. Langeweile wird so schnell nicht aufkommen. Natürlich mussten wir auch viele Annehmlichkeiten des früheren Jobs und des Angestellt-Seins aufgeben. Aber das tut man in so einer Situation gerne!

Wie ihr schon erwähnt habt, hattet ihr keinerlei Brauhintergrund und somit auch keine Ausbildung zum Brauer oder dergleichen. Wie habt ihr Euch euer können beigebracht?

Du wirst es nicht glauben, aber als erstes haben wir einen ganz einfachen Braukurs besucht – einen Tag Crash-Kurs. Im Anschluss haben wir dann selber angefangen und rumexperimentiert – haben uns unsere eigene Kleinbrauanlage zugelegt, 50 Liter. Einige Freunde haben uns natürlich dabei unterstützt. Zudem haben wir schnell einige interessierte Brauer kennengelernt, die immer mit Rat und Tat zur Seite standen.

So entstehen unsere Rezepte auf unserer kleinen 50-Liter-Anlage – bei einer befreundeten kleinen Landbrauerei können wir dann nach unserer Rezeptur brauen und abfüllen. Unser Traum ist die eigene „Craft Brewery“ mit Brewpub, wo man alle Versuchssude verkosten kann. Als Brauerei zum Anfassen. Endlich wieder den Menschen das Brauen als Handwerk nicht als Massenproduktion näherbringen und die Vielfalt spüren lassen.
Dafür ist natürlich jede Menge Kapital nötig – wir sind aber zuversichtlich, dass wir über kurz oder lang einen „Verrückten“ finden, dem so ein Projekt ebenfalls am Herzen liegt.

Auf eurem Logo befindet sich eine Eule, hat diese eine besondere Bedeutung?

Gut beobachtet! Es ist in der Tat eine Eule und kein Adler, wie schon manch einer vermutet hat…

Eulen sind nachtaktiv, sie sind neugierig und aufmerksam – haben etwas mystisches und geheimnisvolles an sich. Man muss das ja nicht überinterpretieren, aber wir finden, dieses Tier passt zu uns (lacht)…

Was fasziniert euch an Bier?

Kurz? Die Vielfalt, die Unterschiede. Das handwerkliche, das Echte. Vieles davon ist allerdings in den letzten Jahren in Deutschland verloren gegangen.

Wenn ihr Bier mit 3 Worten beschreiben müsstet, welche wären das?

Bier ist definitiv mehr als Hopfen, Malz und Wasser – und damit meine ich nicht die Hefe!

Habt ihr ein Lieblingsbier oder Sorte, außer euren eigenem?

Wir sind definitiv zu Hopfenjunkies geworden. Also definitiv hopfengestopfte Pale Ales und IPAs, beispielsweise von Ballast Point aus den USA, oder  Thornbridge, UK. Aber ein schönes Weissbier von Unertl ist auch nicht zu verachten…

Erinnert ihr euch an eure erste „bedeutsame“ Begegnung mit Bier?

Das war sicherlich in den USA und Australien, wo wir die ersten Male hopfengestopfte Biere getrunken haben. Wie man sieht, waren diese so „bedeutsam“, dass sie uns nicht mehr losgelassen haben.

Was müsste sich in der Braunation Deutschland eurer Meinung nach verändern?

Wir glauben, man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass pro Kopf sicherlich weniger Bier in Zukunft getrunken wird. Nichts desto trotz wird Deutschland ein Bierland bleiben. Der Verbrauch wird sicherlich selektiver.

Wir sind überzeugt, dass gerade handwerkliche, spezielle Biere eine große Zukunft haben. Es wird natürlich nach wie vor einen Großteil geben, der eher auf Preis als auf Qualität und Genuss schaut – aber  es wird sich daneben eine neue Bierkultur entwickeln, in der sich die Biertrinker nicht nach Masse sondern Qualität und Vielfalt, nach Individualität, sehnen.

Diese Entwicklung wird allerdings mit Sicherheit nicht von heute auf morgen geschehen. Man braucht Geduld. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass es eher schneller als langsamer geht.

Ihr seid ein gutes Beispiel dafür „trotz“ Einhaltung des Reinheitsgebotes ein besonderes Bier zu brauen. Dennoch die Frage findet ihr das Reinheitsgebot wichtig und nützlich oder ist es eher hinderlich, was die Entwicklung neuer, innovativer „Bierideen“ angeht?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil sie meist sehr emotional diskutiert wird.

Wir verschreiben uns dem Reinheitsgebot, weil wir es – positiv ausgelegt – als qualitätssteigernd empfinden. Wir finden es gut, bspw. künstliche Zusatzstoffe zu verbieten.  Eher kontrovers kann man natürlich das Verbot der Zugabe von Naturprodukten wie bspw. Früchten oder Kräutern diskutieren. Dies setzt natürlich der Kreativität eine gewisse Grenze.

Aber mal ehrlich, ausgehend von der momentanen Situation bleibt uns auch innerhalb des Reinheitsgebots sehr viel Spielraum um zu experimentieren. Hierauf konzentrieren wir uns.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Natürlich in unserer eigenen „Craft Brewery“! In einem Bierland Deutschland, wo neben Pils, Hellem und Weissbier auch Pale Ales, Porter, Stouts und vielleicht ganz neue Sorten zur alltäglichen Vielfalt gehören.

Gibt es bald vielleicht ein neues Bier aus der AleWerkstatt?

Wie bereits erwähnt: Wir experimentieren gerade an unserem IPA. Bald ist es hoffentlich so weit. Das Handling der großen Hopfenmengen bereitet uns allerdings noch manchmal Kopfzerbrechen… Wir werden aber einen Weg finden!

Jetzt müssen wir aber erstmal auch zusehen, dass wir neuen Stoff von unserem Pale Ale brauen. Der Vorrat geht zur Neige – wir hätten nicht gedacht, dass die Leute uns das so aus der Hand reißen, dass das so schnell geht…

Zum Schluss ein paar nette Worte über bier-entdecken.de? 🙂

Ihr schlagt in dieselbe Kerbe wie wir: Den Biertrinkern und Interessierten eine oft nicht geglaubte Vielfalt näherzubringen, die Faszination von Bier zu vermitteln. Deshalb finden wir es natürlich großartig, dass Ihr Euch mit bier-entdecken.de dieser Mission verschrieben habt und wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und eine wachsende Community!

 

Wir bedanken uns recht herzlich bei Timm & Mario von der CREW AleWerkstatt, für ihre ausführlichen und sehr interessanten Antworten. Und wünschen den beiden noch viel Gelingen beim Umsetzen ihres Projektes.

 

 


Hier gehts zum Biertest des CREW AleWerkstatt – Pale Ale
Hier gehts zum Biertest des CREW AleWerkstatt – IPA

Ein weiteres interessantes Interview gibt es übrigens auf dem Bierblog lieblingsbier.de zu lesen. Hier gehts lang: klick

1 Kommentar

  1. CREW AleWerkstatt macht Hoffnung und Laune auf Bier zugleich. Wir sehen stetig neue Entwicklungen in Deutschland, die das Einerlei herausfordern. Ich hoffe, dass daraus eine veritable Bewegung wird, die uns bald erheblich mehr Vielfalt bietet. Die Ausbildung, Zutaten und Technik haben wir dafür – jetzt fehlt nur noch der Mensch.

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