Philip Overberg – Gruthaus Brauerei

Phillip Overberg – Gruthaus Brauerei

Philipp Overberg
© Olaf Gronert

„Grut hieß die Kräutermischung, mit der Bier gewürzt wurde, bevor ab dem 13. Jahrhundert der Hopfen die Grut nach und nach verdrängte. In Münster gab es – wie in vielen anderen norddeutschen Städten auch – beim Rathaus ein eigenes Haus für die Herstellung und den Verkauf von Grut, das Gruthaus. Denn jeder, der in der Stadt Bier brauen wollte, musste Grut verwenden und das Monopol darauf hatte der Rat dem Landesherrn, dem Fürstbischof von Münster, abgekauft. Die Rezeptur kannte nur der Grutherr, sie war ein gut gehütetes Staatsgeheimnis. Aus gutem Grund, denn mit der Grut bestritt die Stadt Münster zeitweise bis zu 2/3 ihres Haushalts und der Grutherr war als Finanzminister der zweitwichtigste Mann der Stadt nach dem Bürgermeister.

„Hinter dem Rathaus, wo bis ins 19. Jahrhundert das Gruthaus stand, ist heute eine große Lücke. Wir wollen diese Lücke füllen mit Erinnerungen, mit Nachforschungen, mit Gerüchen und Geschmäckern aus vergangenen Zeiten. Nicht, weil es früher besser gewesen wäre, sondern weil für unseren Geschmack heute etwas fehlt: Bier mit Wurzeln. Als Verneigung vor der großen Braugeschichte der Stadt Münster haben wir unsere kleine Brauerei nach dem Gruthaus benannt.“ So stellt sich Münsters zweitgrößte Brauerei vor. Das Team besteht aus:

Philipp Overberg – Kreativer Motor im Gruthaus, Löffelschwinger und oberster Rezeptentwickler.

Dr. Ralf Niehues – Der Brew-Doc erforscht schottische und englische Ales – am liebsten in freier Wildbahn.

Jorma SchubertDer Sonderbeauftragte für Kundenkontakte, psychologisch fundierte Personalentwicklung (Dipl.-Psych.) und Nischenprodukte wie Holunderwasser.

Dr. Roland Pieper – Als Historiker und wissenschaftlicher Beirat ist er der Experte für Zeitreisen in die Prä-Hopfen-Ära


 1. Hallo Philip, stell dich doch bitte einmal unseren Lesern vor.

´Ich bin Philipp Overberg, von Beruf Werbetexter, kein Braumeister. Studiert habe ich historische Linguistik. Mit dem Brauen habe ich als Hobby angefangen.

2. Was fasziniert dich an Bier?

Ganz klar die Vielfalt. Bier bietet ja ein sehr breites Spektrum, verglichen z. B. mit Wein. Als 16-Jähriger hat Bier mir nie geschmeckt. Aber im Studium habe ich es in einem Belgienurlaub schätzen gelernt. Dort gab es sehr interessante Sorten, die ich in Deutschland nicht finden konnte. Deswegen habe ich selbst angefangen zu brauen. Mein erstes selbst gebrautes Bier war ein belgisches Tripel.

3. Was ist dir beim Bier brauen am wichtigsten?

Qualität! Qualität! Qualität!

Nur beste Zutaten verwenden, so natürlich wie möglich, nie eine Abkürzung nehmen.

Zum Beispiel bei meinem Pumpernickel Porter nutze ich ausschließlich das Pumpernickel-Brot der Firma Prünte, da diese die beste Qualität haben, ohne Hefe, ohne Zusatzstoffe – alles natürlich.

4. Was ist deine Lieblingsbiersorte?

Das kann ich nicht sagen – ich habe kein Lieblingsbier, es hängt vom Wetter, vom Essen, von der Stimmung, einfach vom jeweiligen Tag ab.

5. Du hast sehr interessante Biere in deinem Sortiment, wie kam es dazu, woher kamen die Ideen und die Inspiration?

Mein Interesse an der Stadtgeschichte hat mich auf alte Biersorten gebracht. Interessante Zutaten wie Gagel und wilden Bergkümmel (Laserpitium Siler) bekomme ich aus dem Botanischen Garten oder züchtet mir eine Freundin, die in den Alpen wohnt. Ich habe mir die historischen Bierrezepte angesehen und dabei herausgefunden, dass regional große Unterschiede bestehen. Zum Beispiel wurde in Münster für das Grutbier Gagel verwendet, in anderen Gegenden dagegen Sumpfporst. In den alten Quellen taucht aber immer nur der Begriff „Porst“ auf, auch wenn damit ganz unterschiedliche Pflanzen und Geschmäcker gemeint waren.

Eine andere Inspirationsquelle war mal ein verrückter Traum. Ich hatte ein sehr seltsames Etikett im Traum gesehen und auch einen Biergeschmack dazu. Ich habe am Morgen die Stifte meiner Tochter gemopst und beim Frühstück das Etikett der Erinnerung gezeichnet und später das Bier nachgebraut.

6. Wie kam es zum Namen deiner Brauerei?

Der Brauereiname ist historisch entstanden, aus meinem Interesse an der Münsteraner Stadtgeschichte während meines Studiums, weil es in der Nähe des Rathauses die Grutgasse gibt, wo damals das Gruthaus stand.

7. Beschreibe bitte Bier in 3 Worten

Ich bin kein Mann weniger Worte.

Deswegen stehen auf jedem meiner Etiketten drei andere passende Worte, um den jeweiligen Charakter zu beschreiben. Zum Beispiel: Überwasser Alt: Hell, weich, süffig.


Wir bedanken uns recht herzlich bei Philipp Overberg, dem „Grutherrn“ der Gruthaus Brauerei für die ausführlichen und sehr interessanten Antworten auf unsere Fragen. Und wünschen weiterhin viel Erfolg

Zur Homepage der Gruthaus Brauerei gehts hier

 

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