Im Gespräch mit Felix vom Endt von Orca Brau

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Vom Bierblogger zum Braumeister. So in etwa kann man den bisherigen Werdegang von Felix vom Endt beschreiben. Begonnen hatte alles um das Jahr 2006, als Felix mit seinem Bierblog Lieblingsbier.de online ging. Quasi von Anfang an begleitete er die aufkeimende „Craftbeer Revolution“ und berichtete ausgiebig darüber in seinem Blog. Weitere Stationen führten ihn nach Kanada und nach Berlin wo er in Brauereien jobbte. Ab diesem Zeitpunkt keimte in ihm die Idee auf, irgendwann eine eigene Brauerei zu eröffenen.

Heute ist Felix vom Endt Braumeister in seiner eigenen Brauerei. Mehr über seine Brauerei, seine Biere und was er noch alles vor hat, erfährst du im Interview.

Weitere Infos gibt´s auch auf der Brauerei-Homepage


Interview mit Felix vom Endt von Orca Brau:

Hallo Felix, stell dich doch bitte zunächst einmal vor.

Felix vom Endt, 31 Jahre alt, verheiratet und seit Oktober 2016 Papa eines kleinen Sohnes und einer Brauerei, die den Namen „orca brau“ trägt und in Nürnberg angesiedelt ist. Ich bin kein gelernter Brauer, sondern Bierfreak mit allem was dazu gehört. Meine „Handerwerksfähigkeiten“ habe ich in ein „paar“ Heimbrausuden gesammelt und während meiner fast zwei jährigen Zeit bei der Brauerei Heidenpeters in Berlin-Kreuzberg. Dort habe ich übrigens die alte 5 Hektoliter Brauanlage eingepackt und nach Nürnberg verschifft. Wir brauen selber, füllen selber ab, entwerfen die Etiketten selber und kleben diese mit unseren eigenen Händen auf die Flaschen.

Was fasziniert dich an Bier?

Bier ist für mich Vielfalt, Kreativität und Geselligkeit und genau diese drei Punkte faszinieren mich am meisten. Ich probiere immer wieder gerne neue Biere, gebraut mit den verschiedensten Zutaten und finde es spannend die Kreativität der Brauer zu „kosten“. Ebenso ist es immer wieder genial zu sehen und zu spüren wie Bier die Menschen zusammenbringt. Das liebe ich!

Angefangen hatte alles mit deinem Bierblog lieblingsbier.de, danach folgten einige Praktika bzw. Jobs bei Prallel 49 Brewing in Kanada, der Berlin Bier Academy und Heidenpeters in Berlin. Wann entstand die Idee deine eigene Brauerei zu eröffnen?

Die Idee entstand bereits 2012/2013 während unserer Zeit in Vancouver, Kanada. Mit uns meine ich übrigens meine Frau und mich. Susa unterstützt mich in allen Belangen so gut wie es geht und ihre Zeit zulässt. Die Zeit bei Parallel49 Brewing war absolut prägend und ich war quasi mitten drin beim Start einer „der“ neuen Brauereien in Kanada. Die Jungs und Mädels von P49 waren und sind alles Enthusiasten, hatten aber auch einen langfristigen Plan der auf Wachstum aus war. Dazu einen geilen Brauer der es absolut drauf hat und schwupps ging die Reise los. Für mich war damals klar, wenn, dann eine eigene Brauerei mit allem drum und dran und ohne Kompromisse. Das dies damals nur ein „Traum“ war, war auch klar, aber irgendwie hat sich die Idee eben immer mehr verfestigt und die Gelegenheit war da, also habe ich es gewagt und nun steh ich in meiner eigenen Brauereihalle.

Was steckt hinter dem Namen „Orca Brau“?

Ebenso eine Erinnerung und Verbindung an unsere Zeit in Vancouver. Vor der Tür Vancouvers leben die Orcas direkt vor Ort und es ist nicht gerade selten, dass man diese fantastischen Tiere in der Wildnis live zu Gesicht bekommt. Wär sich etwas näher mit ihnen beschäftigt weiß, was das für unglaublich tolle Geschöpfe sind und wie wichtig es ist, dass ihr Lebensraum bewahrt wird. Es ist vor allem eine persönliche Geschichte die hinter dem Namen steckt und viel bedeutet.

Ursprünglich stammst du ja vom Starnberger See, hast in Coburg studiert und hattest dann einige Zwischenstationen in Kanada und Berlin eingelegt. Was hat dich zur Brauereigründung nach Nürnberg gezogen?

Nürnberg ist für mich eine der schönsten Städte überhaupt. Man hat alles was man braucht, dazu ein entspannten Lifestyle, nette Leute und eine gewisse Bewegung in die richtige Richtung. Die Leute hier wissen und schätzen das Handwerk, egal ob Metzger, Bäcker, Schneider oder eben auch der Brauer. Das spürt man und es ist eine sehr positive Grundhaltung die mir sehr gefällt. Ebenso ist die Stadt eingebettet im schönen Franken, drum herum ist alles grün und es gibt einige Seen und natürlich die fränkische Bier- und Wirtshauskultur und zu den Bergen ist es auch nicht ganz so weit. Dann ist meine Frau gebürtig aus Nürnberg und für uns war es eh klar, dass wir irgendwann hier erst mal leben wollen und dann war es auch klar, dass ich die Brauerei nur in Nürnberg eröffnen werde und sonst nirgendwo anders.

Du hast derzeit 5(?) Biere in deinem Sortiment, beschreibe uns diese doch bitte kurz.

Es sind mal mehr, mal weniger Biere. Auf meiner Brauanlage kann ich viel experimentieren und ausprobieren, was aktuell auch der Plan ist. So gibt es immer mal was Neues und jeder Sud ist etwas anders. Mir geht es aktuell nicht direkt um „Reproduzierbarkeit“, sondern um „Vielfalt“. Ich kann jedem nur raten immer wieder offen zu bleiben, zu probieren und sich meinen Bieren neugierig zu nähern. Es wird immer wieder überraschend bleiben und so wurde bereits vom „normal“, ein klassiches Lager bis hin zum „boomshakalaka“ein smoke ale gelagert auf himbeeren und habaneros die bandbreite von gewöhnlich bis ungewöhnlich abgearbeitet und ausgelotet

Du hast interessante Biere in deinem Sortiment, wie kam es dazu, woher kamen die Ideen und die Inspiration?

Viel Inspiration kommt vom Kochen. Generell geht es um die Kombination verschiedener Aromen, die auch mal auf den ersten Blick etwas seltsam daher kommen können. Die Verbindung von Rauch, Himbeere und Habaneros kam zum Beispiel aus einer Kochsendung und so ist die Idee zum „Bier“ geboren. Natürlich probiere und recherchiere ich viel. Thema „saisonal“ ist auch ganz groß wie zum Beispiel ein Saison das ich jetzt gebraut habe mit Fichtentrieben und Rhabarber. Dies wäre in ein paar Monaten nicht wirklich machbar. Dunkle Biere wie Stouts, Porters oder auch Bockbiere liegen bei mir eher auf den „dunkleren Monaten“. Ich denke man sollte als Brauer offen sein, sich anderen Braukulturen gegenüber nicht versperren und Dinge ausprobieren umso seinen eigenen Stil zu finden. Ständig das „gleiche“ zu brauen ist für mich einfach mega langweillig und unvorstellbar.

Was ist dir beim Bier brauen am wichtigsten?

Kreativität, Spaß, Offenheit und auch mal spontan sein. Ebenso denke ich sollten manche Dinge nicht ganz so genau genommen werden. Klar ist es wichtig gewisse Werte und Zahlen zu haben, aber ob ich jetzt 35 oder 38 IBUs am Ende habe oder 5.2 oder 5.3 Vol.-% ist doch total wurscht. Leider ist Deutschland noch sehr viel auf „Korrektheit“ geeicht und weniger auf „Freiheit“.

Auf Fotos von dir, sieht man häufig einige vielversprechende Holzfässer. Kannst du uns verraten was du als nächstes planst und auf welche Biere wir uns noch freuen dürfen?

Da ist so viel was mir im Kopf rumschwirrt. Auf jeden Fall wird ein Teil „Boomshakalaka“ in ein Rotweinfass wandern und dort einige Zeit auf Himbeeren lagern. Etwas kräftiges „Dunkles“ wandert in ein Bourbonfass bis zum Winter und in verschiedenen fränkischen Schnapsfässern lagert bereits einige Zeit ein „sour saison“, dass dann noch mal mit Früchten versetzt wird. Allerdings erst wenn Erntezeit ist, dauert noch etwas. Dann sind spannende und interessante Projekte geplant die Wein- und Bierfranken miteinander verbinden werden.

Beschreibe Bier in 3 Worten.

Kreativ, vielfältig, ausdrucksstark.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Felix vom Endt für das nette Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg!

 


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