Im Gespräch mit Robert Kellermann Inhaber des Brauhaus Brewckau

Brauhaus Brewckau in Magdeburg

Seinen Job als Zahntechniker hat Robert Kellermann vor ein paar Jahren aufgegeben, um noch mal was ganz Neues anzufangen. Das Bier hatte es ihm angetan. In der Wasserburg Gommern macht er die Ausbildung zum Brauer und Mälzer, um später den Absprung zu nehmen. Vor zwei Jahren brachte er unter dem Label Brewckau sein eigenes handwerklich gebrautes Bier heraus. Lange Zeit hat er das per Gypsie-Brewing hergestellt, im letzten Jahr trat er eine Crowfunding-Kampagne für die (Teil-) Finanzierung eines eigenen Brauhauses los. Am Eingang zum Buckauer Engpass eröffnet er nun eine echte Brauereigaststätte. Der Sudkessel fasst ordentliche 500 Liter und steht im hinteren Teil des Schankraums, man kann Kellermann also jederzeit beim Brauen zuschauen.

bier-entdecken.de hat mit Robert gesprochen und ihm in einem Interview einige Fragen gestellt:


Interview mit Robert Kellermann Inhaber des Brauhaus Brewckau

Hallo, Robert stelle dich doch bitte unseren Lesern einmal kurz vor.

Den Enthusiasmus und die Liebe zum Bier habe ich bei einem Brauseminar 2009 entdeckt.

Daraufhin folgte eine 3-jährige Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Parallel zur Ausbildung entstanden in der heimischen Küche die ersten Biere mit einer 25l Brauanlage. Nach der Ausbildung bot sich die Möglichkeit, die Brauanlage auf 45l und kurze Zeit später auf 100l pro Sud zu vergrößern. Das alles fand in einem kleinen Raum bei unseren Freunden von der Getränkefeinkost Magdeburg statt.

Seit Oktober 2015 sind nunmehr über 55 verschiedene Bierstile entstanden.

Aber auch die 100l Brauanlage passte bald nicht mehr und so reifte in uns Stück für Stück die Überlegung, uns noch einmal zu vergrößern und dann direkt mit eigenem Ausschank.Eine tolle Location hat sich im Herzen Buckaus finden lassen. Hier installierten wir ein 500l Sudhaus und einen ca. 11 000l fassenden Lagerkeller mit 11 Lagertanks.

Zurzeit gibt es 3 feste Sorten Bier im Brauhaus Brewckau und darüber hinaus gibt es über das ganze Jahr verteilt verschiedenste Spezialbiere, mal klassisch mal total verrückt.

Was fasziniert dich an Bier?

Mich fasziniert die schier unendliche Vielfältigkeit. Bier ist sozial und verbindet. Bier polarisiert. Bier ist in seiner Einfachheit einfach unübertroffen.

Was ist dir beim Bierbrauen am Wichtigsten (auch bzgl. der Zutaten)?

Ich liebe die Rezeptentwicklung und wir arbeiten sehr gern mit natürlichen Rohstoffen wie Kamille, Früchten, Nüssen, vers. Getreidearten wie grünem Hafer aber natürlich auch mit den 4 Grundrohstoffen.

Es ist sehr spannend die Entwicklung eines neuen Biers mitzuerleben, grade bei Bieren wo einem Parameter fehlen wie zuletzt bei unserem Grünhafer. Da hatten wir schon das ein oder andere mal den Fall das wir beim Probieren in der Reifephase gesagt haben „das ist aber in die Hose gegangen“ doch bisher ist, wenn das Bier dann noch Zeit bekommt, immer etwas tolles dabei heraus gekommen.

Bier braucht eben oft Zeit und Geduld.

Was ist deine Lieblingsbiersorte?

Bei meinen eigenen Kreationen:

Grünhafer, Cocos Pale Ale, Salted Peanut Choccolat Stout

Generell mag ich Weizenbiere und Pils sehr gern. Für mich zwei der am schwierigsten herzustellenden Biersorten, weil sie eben keine Braufehler verzeihen.

Du hast sehr interessante Biere in eurem Sortiment, wie kam es dazu, woher kamen die Ideen und die Inspiration?

Die Ideen kommen fast immer spontan, wenn ich mich hinsetze und über ein neues Bier nachdenke, passiert da nicht viel. Meist sind banale Dinge der Auslöser wie beim Joggen, da fällt einem auf einmal ein Baum auf voll mit Walnüssen und schon beginnt die Überlegung wie und ob ich das in einem Bier verarbeiten könnte. Auch Versprecher haben schon dazu geführt den Stein ins Rollen zu bringen. Das Heu-Kamillen-Gruit entstand z.B als ich an der Elbe unterwegs war und eine Wiese sehr intensiv nach Kamille gerochen hat. Auch eigene Interpretationen klassischer Bierstile sind super spannend wobei das dann sehr bewusst passiert.

Wen möchtest du mit deinen   Bierkreationen erreichen?

Über eine bestimmte Zielgruppe habe ich noch nie nachgedacht, ich freue mich aber immer wieder darüber wenn ein „ich trink nur Helles“ Biertrinker/in z.B. bei einem kaltgehopften Lager ein ah-ha-Effekt hat und dann doch mal über den Tellerrand nach links und rechts schaut.

Erinnerst  du dich   an die  erste „bedeutsame“ Begegnung mit Bier?

Ich bin in Biere aufgewachsen, da war das Wort Bier schon immer recht präsent ;). Mein absolutes Schlüsselerlebnis war aber 2009, da haben wir ein Brauseminar in Berlin besucht und dieser Tag hat für mich alles verändert. Mir wurde die Vielfalt an Bier aufgezeigt und dieses Thema hat mich seither nicht  mehr losgelassen. So sehr, dass ich mein altes Leben als Zahntechniker hinter mir gelassen habe und eine Ausbildung zum Brauer/Mälzer begonnen habe.

Zurzeit wird viel diskutiert über eine Definition für „Craft“-Bier in Deutschland. Was bedeutet – in wenigen Worten – für dich der Begriff „Craft“-Bier.

Handwerk mit Hingabe und Herz.

Beschreibe  bitte Bier in 3 Worten.

Bier ist Liebe!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Robert für das nette Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.


 

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