Die Suche nach einer Definition für das deutsche Craft Beer

Craft Beer was ist das?

Über Craft Beer („handwerklich gebrautes Bier“) wird zurzeit viel diskutiert. Noch befindet sich diese „Craft Beer – Bewegung“ in Deutschland am Anfang. In anderen europäischen Ländern wie z.B. Österreich oder Dänemark ist „Craft Beer“ schon ein „fast“ fester Bestandteil des dortigen Biermarktes. Doch auch hierzulande entstehen stetig neue kleine Brauereien, mit mutigen Brauern, welche sich trauen für Deutschland (noch) ganz untypische Bierstile zu brauen.

Die Craft Beer-Bewegung und letztendlich natürlich das Craft Beer selbst lebt von diesen mutigen Brauern. Die es sich zum Grundsatz gemacht haben spezielle und andere Biere abseits des Mainstream zu brauen, bei denen die Qualität vor dem Ausstoß steht. Das Besondere dabei ist die Leidenschaft und Kreativität, die dahinter steckt, abwechslungsreiche und zum Teil „extreme“ Biere zu brauen. Oft wird dadurch einem uralten fast verloren gegangenen Bierstil neues Leben eingehaucht.

In den Köpfen der Bierexperten und -genießer wird Craft Beer mit vielen unterschiedlichen, unabdingbaren Kriterien in Verbindung gebracht. Für den einen ist die Experimentierfreudigkeit des Brauers im Vordergrund, für den anderen die Transparenz der Zutaten oder die Größe der Brauerei die Craft Beer produziert.
Kurz um, in Deutschland gibt es keine Definition die alle wichtigen Kriterien rund um Craft Beer erfasst.

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© www.bierpost.com

In der Bier-Szene gibt es daher einiges an Gesprächs- und Diskussionsstoff, wie eine solche Definition für Deutschland aussehen könnte oder ob diese überhaupt benötigt wird.
Die Motivationen eine solche Definition zu erarbeiten sind unterschiedlich. Zum einem erhofft man sich das die „Craft Beer-Bewegung“ in Deutschland schneller Fuß fasst zum anderen möchte man verhindern, dass große Braukonzerne ihr Einheitsbier unter dem Deckmantel Craft Beer bewerben.

In den USA haben die Brewers Association, der Berufsverband der Craft Breweries eine Definition für Craft Breweries erarbeitet. „Eine Craft Brewery wird als eine unabhängige, inhabergeführte Brauerei mit einem Ausstoß bis zu 6 Millionen Barrel (ca. 10 Millionen Hektoliter) definiert.

Bezogen auf den Ausstoß dürfte so jede Brauerei in Deutschland eine Craft Brewery sein
(allein die Oettinger Brauerei erreicht knapp einen solch gewaltigen Ausstoß).

Eine Definition für Craft Beer

Die Definition lässt sich also nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen. Vielmehr zeigt diese Definition die Beweggründe der Craft Beer Bewegung in den USA. Nach der Prohibition wurde der Biermarkt auf diesem riesigen Kontinent von einer Handvoll Braukonzernen beherrscht. Hergestellt wurden Biere, für welche die USA bis heute mit Vorurteilen kämpfen muss – den Lightbieren, die noch dazu mit minderwertigen Rohstoffen wie zum Beispiel Reis oder Mais gebraut wurden. Einige Brauer versuchten entgegen des vorherrschenden Einheitsbieres, charakterstarke Biere zu brauen und den Biergenießern anzubieten. Mit Erfolg.

Ein weiterer wichtiger Baustein für den Erfolg der Craft Beer-Bewegung in den USA war, die regionale Bindung an Craft Breweries. Wenn ein solch großer Kontinet von nur wenigen Braukonzernen beherrscht wird, kann von Regionalität keine Rede mehr sein. Die Craft Breweries belieferten zu Beginn ihre Bierkreationen an Cafes, Bars und Restaurants rund um die Braustätte. Dies förderte die Verbundenheit zum Bier und zur Heimat.

In Deutschland war und ist das ganz anders. Hierzulande haben wir mehr als 1300 Brauereien die über 5000 Biere auf dem hiesigen Biermarkt anbieten. Eine weltweit einzigartige Bier- und Brauereidichte. Das Reinheitsgebot sichert die Verwendung von hochwertigen Rohstoffen und verhindert ein Gepansche mit billigen Getreidesorten. Hinzu kommt, dass Regionalität und Heimat, auch im Bezug auf andere Lebensmittel in Deutschland großgeschrieben wird.

Eine Definition für Craft Beer bzw. Craft Breweries muss also für Deutschland vom Grundsatz her komplett anders formuliert werden, als die in den USA verfasste.

An dieser Stelle kommen wir zurück, was Craft Beer eigentlich ausmacht. Mit Craft Beer wird mehr in Verbindung gebracht als nur die Herkunft oder die Größe der Brauerei.
Craft Beer bedeutet für uns vor allem auch:

– Abwechslung,
– aufregende, andere, neue Bierstile
– geschmacks- und charakterstarke Biere
– und experimentierfreudige Brauer.

Und genau hier lässt sich in Deutschland ansetzen. Pils, Export und Weizen regieren den deutschen Biermarkt mit über 70 % (Pils über 50 %). Es herrscht also eine regelrechte Monokultur auf dem deutschen Biermarkt. Nicht selten ist auch von einer „Verpilsung“ die Rede. Die Abwechslung fehlt schlichtweg, wenn bei ca. 100 Bierstilen nur 3 den Markt beherrschen.

Eine Definition – sollte sie es irgendwann für Deutschland geben – sollte daher eher auf die Produktpalette einer Brauerei abzielen.

„Eine Craft Brewery ist eine zu 25 % inhabergeführte Brauerei die neben Pils (Lager/Helles), Export und Weizen auch andere Bierstile (min. 3 bis 800.000 hl Jahresausstoß, min. 5 über 800.000 hl Jahresausstoß) wie Porter, Barley Wine, Pale Ale, etc. braut und besondere „Jahrgangseditionen / Sondersude“ z.B. im Holzfass gelagerte Biere anbietet.“  [Definitionsversuch d. R.]

So schwer, wie sich dieser Satz lesen lässt, wird allerdings auch die Umsetzung, Kontrolle und Einhaltung dieser Definition.

So stellt sich die Frage ob Craft Beer für Deutschland überhaupt eine eigene Definition benötigt.

Wir sind der Meinung, dass es noch zu früh ist, Craft Beer in Deutschland allgemeingültig zu definieren. Vielmehr sollte man die Energie für den Kampf um eine Definition besser dahin gehend nutzen, um den Verbraucher / Bierkonsument weiterhin über Bier zu informieren, gleichgültig ob regionale, edle oder Craft Biere. Wenn man dem Bierkonsument die breite Palette an Bierstilen begreifbar macht, die wahnsinnige Aromenvielfalt aufzeigt, verständlich macht, welches Bier zu welchem Essen passt und Bier letztendlich sogar ein besserer Begleiter zu Speisen ist als Wein und ihm die Angst nimmt über den Tellerrand zu schauen, dann werden die Brauer von selbst dem Verlangen nach neuen, besonderen und charakterstarken Bieren des Konsumenten nachkommen.

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© www.bierpost.com

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